Biographie

Der Komponist Bernd Franke wuchs in einem offenen, toleranten, auch im Hinblick auf Musik undogmatischen Elternhaus auf: Dort kam er schon als Kind in Berührung mitKlassik, Jazz und Popmusik, die als völlig gleichberechtigt angesehen wurden. Ein solches Musikverständnis prägt ihn bis heute, von daher erklärt sich auch seine Leidenschaft für Improvisation. Seine Familie stammt ursprünglich aus Pommern und Breslau. Das Schicksal, vertrieben zu sein, prägte seine Kindheit und ist in seinem Denken und Fühlen bis heute präsent. Heimat, Identität, Flucht waren und sind Themen,  die im Denken und Schaffen des Komponisten eine zentrale Rolle einnehmen. Einige seiner Werke sind jüdischen Künstlern gewidmet, insbesondere jenen, die in den 30er-Jahren aus Deutschland emigrierten. „On the Dignity of Man“ für Chor und Saxophonquartett stellt die Frage nach der Würde des Menschen ins Zentrum. Charakteristisch für sein Œuvre seit den 80er-Jahren insgesamt sind Grenzüberschreitungen, sowohl musikalisch – etwa durch Intergration von Einflüssen der populären Musik – als auch durch Einbeziehung gesellschaftlich relevanter Themen.

Franke studierte von 1975 bis 1981 in Leipzig an der Musikhochschule „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Komposition bei Siegfried Thiele und Dirigieren bei Wolf-Dieter Hauschild. 1979 gründete er das Ensemble „Junge Musik“ in Leipzig, dessen Mitglieder sich der Aufführung von Werken des 20. Jahrhunderts widmeten und gemeinsam ihrem Interesse an Musik anderer Kulturen nachgingen. Auf mehrfachen Reisen zum „Warschauer Herbst“ lernte er zahlreiche Musiker und Komponisten aus dem Ostblock, aber auch aus dem westlichen Ausland kennen. Er machte Bekanntschaft mit Lutosławski, stand in Briefkontakt mit Stockhausen, Nono, Ligeti und Henze, bei dem er seit Anfang der 90er-Jahre auch Privatunterricht nahm.

Von 1981 bis 1985 war er Meisterschüler an der Akademie der Künste in Ostberlin bei Prof. Siegfried Matthus. Seit 1981 lehrt er an Universität und Musikhochschule Leipzig. Seit 2003 hat er an der Leipziger Universität eine Professur für Komposition, Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, Tonsatz und Analyse inne.

Seine internationale Karriere begann mit den Aufführungen der Werke des „Chagall Zyklus“ (1985/86) u.a. durch das Gewandhausorchester Leipzig unter Kurt Masur. 1989 war Franke Stipendiat in Tanglewood/Mass. Dort arbeitete er u. a. mit Bernstein, Lukas Foss, Louis Krasner und Oliver Knussen. Seit Anfang der 90er-Jahre unternahm er intensive Reisen in die USA, verbunden mit Konzerten und Vorträgen. 1998 begann eine bis heute anhaltende Reisetätigkeit nach Indien, Südostasien, Japan, Taiwan usw., verbunden mit längeren Studienaufenthalten.

1988 gründete er das Ensemble SOLO XFACH zur authentischen Verbreitung der Werke des gleichnamigen Zyklus. Seine Werke werden weltweit aufgeführt. Frankes internationale Orientierung und seine Erfahrungen mit der Begegnung unterschiedlicher Kulturen zeigen sich auch darin, dass einige seiner Werke in Asien uraufgeführt wurden, u.a. in Tokio (2013), Indien/Kolkata (2013) und Taiwan (2014). Er war Composer in Residence u.a. in Finnland/Kaustinen (2003), Schweden (2004), Kopenhagen/Ars Nova/Paul Hillier (2008), Kolkata/Indien (2011) und Taiwan/NCO (2013). Im Bereich vokal-instrumentaler Werke äußert sich sein Interesse an interkultureller Kooperation überdies in intensiver direkter Zusammenarbeit mit Lyrikern wie SAID/Iran/München (NÄHE nach den Psalmen von SAID) und David Bengree-Jones/UK/London (MILETUS, auch in „Questions“, ), wobei ihn selbstverständlich auch enge Kontakte mit deutschen Dichtern wie Christian Lehnert/Leipzig  (in WANDEL) verbinden. Franke hat auch bereits für „exotische“ Instrumente komponiert („in between (VI) for Sho and Sheng“).

Der Komponist verfügt über große Erfahrung und Expertise mit Kooperationen, Auftragswerken und Uraufführungen. Davon zeugen Künstlerpersönlichkeiten wie Riccardo Chailly, Kurt Masur, Paul Hillier, Lukas Foss, Michael Sanderling, Joel Sachs, Gabriel Feltz, Andrey Boreyko, Fabian Panisello, Howard Arman, Stefan Blunier, Yukiko Sugawara-Lachenmann, Ueli Wiget, HR, Jürgen Ruck, Wu Wei und renommierte Klangkörper wie das Gewandhausorchester, das MDR-Orchester, BSO Berlin, Ensemble Modern, London Sinfonietta, Kings Singers, BR/Musica Viva, , MDR, NDR, Calmus Ensemble, Amarcord und das National Chinese Orchestra (MIRROR AND CIRCLE for Pipa, Violoncello and Chinese Orchestra), ferner Festivals wie die Darmstädter Ferienkurse.

Viele Werke Frankes entstehen als Zyklen, u.a. SOLO XFACH (für Joseph Beuys, seit 1988), CUT 1-11 (seit 2001), in between (seit 2001), VEIL (seit 2013).

In seinem Schaffen interessiert er sich in besonderem Maße für Prozesse der Dekonstruktion von Orchester- und Ensemblestrukturen, für die Weiterentwicklung der organischen Aleatorik und an hervorragender Stelle für Kulturen, Philosophie und Religionen Asiens. Seine Werke erscheinen beim Musikverlag Peters Leipzig-London-New York.